Die Managing Directors von Stout in der Schweiz, Stéphane Oury und Christophe Lapaque, sehen eine wachsende Nachfrage bei Mittelstandunternehmen sowie in bestimmten Sektoren.

March 20, 2018

Wachsende Wirtschaft in der Eurozone. Gutes Geschäfts- und Konsumklima in den 19 Euroländern. Niedrigste europäische Arbeitslosenquote der letzten acht Jahre. Zahlreiche grenzüberschreitende Fusionen- und Übernahmeaktivitäten (M&A).

Diese günstigen Trends fielen mit der Eröffnung zweier neuer Niederlassungen von Stout in der Schweiz im letzten November zusammen. Die ersten europäischen Niederlassungen von Stout, in Genf und Lausanne, erweitern die globale Reichweite der Firma und ermöglichen die Abdeckung grenzüberschreitender Transaktionen für die Schweiz und die Marktregionen Westeuropa, Naher Osten und Afrika.

Stout hat zwei Investment-Banking-Veteranen, Stephane Oury und Christophe Lapaque, zur Leitung der Niederlassungen in Genf und Lausanne herangezogen. Zusammen verfügen Sie über mehr als 30 Jahre Erfahrung mit internationalen Fusionen und Übernahmen in zahlreichen Industriesektoren, darunter Konsumgüter; Technologie, Medien und Telekommunikation (TMT); Pharmazeutika; Verschiedene Branchen sowie Immobilien, Wohnen und Freizeit.

Bevor sie zu Stout kamen, gründeten Stephane und Christophe die Abteilung Corporate Advisory einer Schweizer Privatbank und berieten dort Unternehmer und Familienunternehmen. Zuvor arbeiteten sie bei UBS in der Corporate Advisory Group.

The Journal traf sich kürzlich mit Stephane und Christophe, um mehr über europäische und grenzüberschreitende M&A-Aktivitäten zu erfahren.

2017 gab es mehr Transaktionen hinsichtlich Schweizer Unternehmen als in den letzten 10 Jahren, mit Ausnahme des Jahres 2014. Private-Equity-Firmen waren zudem an der höchsten Anzahl an Geschäftsabschlüssen im selben Zeitraum beteiligt. Wie würden Sie auf Grundlage ihrer letzten Erfahrungen die aktuelle Wirtschaft der Schweiz und der umgebenden westeuropäischen Länder charakterisieren?

Die letzten Jahre waren sehr interessant, das kann man sagen. Obwohl 2016 mit dem Brexit und den US-Wahlen durch eine unsichere makroökonomische Umgebung charakterisiert war, sahen wir 2017 weltweit und – für unser Geschäft natürlich wichtig – in Westeuropa solides Wachstum. Die Zinssätze blieben niedrig, und PE-Firmen setzten Kapital sehr aktiv ein.

Die Schweiz ist eine Nischenökonomie, die hochwertige Dienstleistungen und Produkte mit Schwerpunkt auf die Exportmärkte anbietet. Zugleich dient der Schweizer Franken für viele Investoren weltweit als Wertreserve, wodurch die Schweizer Währung über die letzten Jahre hinweg gegenüber allen anderen wichtigen Weltwährungen auf künstlich hohe Kurse getrieben wurde. Daher haben Schweizer Unternehmen ihre Abläufe streng justiert und Anstrengungen zur weiteren Effizienzsteigerung in der Produktion unternehmen.

Kürzlich erst hat sich der Schweizer Franken gegenüber dem Euro um nahezu 10 % abgeschwächt. Dies wird jedoch der Schweizer Wirtschaft und deren Exportsektoren wie Industriegüter, Maschinen und Anlagen, und im Konsumsektor Uhren nutzen.

Beschreiben Sie den aktuellen Zustand des M&A-Umfelds in der Schweiz und der Eurozone allgemein.

2017 stieg die Anzahl der M&A-Transaktionen in Europa aufgrund einer starken Wirtschaft in der Eurozone und hervorragenden Wachstumserwartungen um 16 % an. In der Schweiz stieg die Anzahl Transaktionen um 5 % an. Das liegt dennoch unter den Werten, die wir 2013 und 2014 sahen, teilweise aufgrund der Tatsache, dass die Schweizerische Nationalbank im Januar 2015 entschied, den Mindestsatz des Schweizer Franken aufzuheben, wodurch der Franken erheblich gestärkt wurde.

In ganz Europa zeigt sich eine starke Nachfrage nach privaten Mittelstandunternehmen, hauptsächlich aufgrund der geringen Zinssätze, der erheblichen Geldmittel, die PE-Fonds und Unternehmensbilanzen zur Verfügung stehen, und positiver Wachstumserwartungen.

Welche Transaktionstypen haben Sie bei Mittelstandsunternehmen spezifisch gesehen, und was sind Ihre Erwartungen für das Jahr 2018?

Wir sehen das Aufkommen eines neuen Typs Investor: Große Family Offices und hochvermögende Personen stellen Teams an, um direkt in Mittelstandsunternehmen zu investieren. Sie haben die finanziellen Mittel, direkt mit traditionellen Geldgebern zu konkurrieren und können zugleich, da sie nicht denselben Beschränkungen unterliegen, ihren Zielunternehmen attraktive Ansätze bieten. Beispielsweise müssen sie bei ihren Investitionen keinen spezifischen Zeithorizont einhalten.

Welche grenzüberschreitenden Aktivitäten sehen sie, und welche Länder sind die aktivsten? Was verursacht Ihrer Ansicht nach diesen Trend?

Historisch gesehen sind ungefähr zwei Drittel der M&A-Transaktionen in der Schweiz grenzüberschreitende Geschäfte. Schweizer KMU (kleine und mittlere Unternehmen) sind weiterhin für ausländische Investoren attraktive Ziele. US-amerikanische Unternehmen sind die größten Käufer, gefolgt von Deutschland, Großbritannien und Frankreich. Der Hauptantriebsfaktor für diese Käufer ist der Erwerb von Schweizer technologischem Know-how.

Im Allgemeinen sehen wir in Europa mehr nordamerikanische Käufer.

Welche Branchen halten Sie aktuell für besonders interessant?

Die aktuell beliebten Sektoren in der Schweiz sind Industriegüter, Finanzdienstleistungen und TMT. In Europa werden zudem unter anderem Konsumgüter-Unternehmen, Automobilteile und Gesundheitsdienstleistungen nachgefragt.

Sind Sie der Ansicht, dass der Anstieg bei den PE-Aktivitäten anhalten wird? Nehmen PE-Investoren aktiv an allen Märkten teil oder konzentrieren sie sich auf bestimmte Branchen?

Angesichts der Mittel, die über die letzten zwei Jahre aufgebracht wurden, erwarten wir keine Verlangsamung der PE-Aktivitäten in den von uns abgedeckten Märkten. Das Spektrum der Investitionsbeträge ist vollständig abgedeckt, es zeigt sich aktuell jedoch eine Konzentration von Beträgen, die von einigen wenigen Akteuren aufgebracht werden. 75 % des 2016 in Frankreich aufgebrachten Gesamtbetrags stammten beispielsweise von nur 10 % der französischen PE-Akteure. Für die Generalisten-Fonds wird es aktuell schwieriger, sich von der Konkurrenz abzuheben und ausländische Investoren anzuziehen. Sektorspezialisten-Fonds wie z.B. im Gesundheitswesen, TMT und Lebensmittel und Getränke weisen jedoch überdurchschnittliche Erträge auf und werden immer beliebter

Ihre Transaktionserfahrung umfasst die USA, den Nahen Osten und Afrika – ein breites Spektrum an Regionen, Kulturen und Branchen. Auf welche Erkenntnisse und Herausforderungen sind Sie in diesem Spektrum gestoßen?

Zunächst muss erklärt werden, woher diese umfassende internationale Erfahrung stammt. Die Schweiz ist eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt, und Genf ist das Zentrum für die Verwaltung von etwa 30 % des globalen Offshore-Vermögens von Privatkunden.

Unsere über 10 Jahre lange Tätigkeit für große internationale Privatbanken hat es uns ermöglicht, enge Beziehungen zu Unternehmern und familiengeführten Unternehmen in diversen Ländern ebenso wie deren Vermögensverwaltern aufzubauen. Wir haben Erfahrung mit einer großen Anzahl Geschäften in Europa, Afrika und selbst dem Nahen Osten. Unser Netzwerk ist von Natur aus international, und wir können vertraulich mit Entscheidungsträgern in diversen Regionen der Erde sprechen.

Die größten Herausforderungen für uns, insbesondere in Schwellenmärkten, waren der Zugang zu hochwertigen Informationen und Ermittlung der richtigen lokalen Partner wie M&A-Anwälten und Buchhaltungsfirmen. Ein weiteres wichtiges Element ist die hohe Vertraulichkeit, die erforderlich ist. Dieser Wert ist uns höchst wichtig und wir verteidigen ihn bei der Zusammenarbeit mit familiengeführten Unternehmen.

Wie würden Sie die aktuelle wirtschaftliche Situation, den Grad an M&A-Aktivitäten und das Investoreninteresse im Nahen Osten und Afrika beschreiben? Was sind die vorherrschenden oder aktiven Branchen?

Die kürzliche Erholung der Ölpreise wirkt sich positiv auf diese Wirtschaften aus, da sie größtenteils stark von den Rohstoffpreisen abhängig sind. Nach zwei Jahren relativ geringer Aktivität sehen wir nun wachsende Nachfrage von ausländischen Investoren, insbesondere aus China, Korea und Japan, die eine Präsenz in Afrika aufbauen möchten. Aktuell handelt es sich größtenteils um strategische Investitionen, da Fremdfinanzierungen noch nicht üblich sind, was die Möglichkeit von Leveraged-Buyouts begrenzt. Zudem verbessert sich das rechtliche und steuerliche Umfeld in Afrika und wird für ausländische Investoren günstiger. Der Rohstoffsektor stellte historisch den Hauptschwerpunkt dar, jedoch profitieren zahlreiche Branchen von der wachsenden Mittelschicht in Afrika, die ungefähr 300 Millionen Menschen umfasst. Konsumgüter, Finanzdienstleistungen, Infrastruktur und Bauwesen ziehen immer mehr ausländische Investoren an.

Welchen Rat würden Sie wichtigen Stakeholdern wie Eigentümern, Betreibern und Investoren geben, die eine grenzüberschreitende Transaktion ins Auge gefasst haben?

Den richtigen Berater zu finden, der Ihnen nicht nur technisch bei der Durchführung Ihrer Transaktion behilflich sein kann, sondern Ihnen auch die Tools und Erkenntnisse zur Verfügung stellen kann, um das lokale Umfeld und die lokale Kultur richtig zu verstehen.

Fällt Ihnen eine besonders einzigartige Transaktion ein?

Vor zwei Jahren haben wir eine Transaktion in Westafrika durchgeführt, bei der wir ein familiengeführtes Unternehmen berieten, das im Forstsektor aktiv war und eine Minderheitsbeteiligung an ein globales Finanzunternehmen verkaufen wollte. Technisch sahen wir uns eine Reihe an Herausforderungen gegenüber. Eine Herausforderung bestand im Umgang mit den entgegengesetzten Unternehmenskulturen eines Familienunternehmens und eines Konzerns. Eine andere Herausforderung war der sehr zeitraubende, zähe Due-Diligence-Prozess, der sieben unterschiedlichen Audit-Teams benötigte, um die Aktivitäten des Unternehmens abzudecken. Die Transaktion war zudem sehr komplex und umfasste mehrere Rechtssysteme. Zudem mussten wir einen hohen Grad an Vertraulichkeit über den gesamten Prozess hinweg sicherstellen und die Emotionen in Zusammenhang mit der Transaktion managen.

Schließlich konnten wir die Transaktion nach einem über 15-monatigen Prozess stolz zum Abschluss bringen und dem globalen Finanzunternehmen eine 49-prozentige Beteiligung an einem der bestgeführten privaten Forstunternehmen in Afrika anbieten.

Zugehörige Experten

Alle zugehörigen Experten